Assistenzärzte: Tipps für den Berufseinstieg

So meistern Sie Ihre ersten Wochen als Arzt und Ärztin

(Geschätzte Lesezeit: 3 Minuten)

Nach Jahren an der Universität und nach Jahren am Schreibtisch, im Hörsaal, auf verschiedenen Stationen und Rettungsstellen, haben Sie es geschafft: Sie sind Arzt bzw. Ärztin. Diese neue Rolle erfüllt sie zurecht mit Stolz. Wir dürfen gratulieren! Diese neue Rolle kommt nun allerdings auch mit neuen Verantwortungen und Ansprüchen einher. Das kann zunächst sehr überwältigend sein. Daher haben wir für Sie eine Auswahl an Tipps zusammengestellt, die Ihren Berufseinstieg erleichtern soll. Einige Fehler muss man selbst machen, um zu lernen und daran zu wachsen. Andere Fehler aber können Sie getrost überspringen. Dabei hilft Ihnen die folgende Liste:

 

  1. Fühlen Sie sich zunächst in Ihre neue Rolle hinein, werden Sie sich Ihrer neuen Verantwortungen bewusst
  2. Selbstbewusstsein ist wichtig, Arroganz und falscher Stolz dagegen absolut nicht angebracht
  3. Ratsam ist es, die Hinweise des erfahrenen Pflegepersonals zu beherzigen; das ist geballte Praxiserfahrung
  4. Stehen Sie für Taten, Verantwortungen, Aufgaben und Patienten ein, zeigen Sie Verbindlichkeit
  5. Formulieren Sie Probleme, Fragen, Wünsche, Zweifel, Bedenken, Anmerkungen und Anregungen klar und deutlich
  6. Vertrauen Sie Ihrem bisherigen Wissensschatz und dem entsprechendem Bauchgefühl
  7. Menschlichkeit statt Perfektionismus; Sie sind neu und niemand erwartet, dass Sie rund um die Uhr mit treffenden Diagnosen um sich werfen. Gehen Sie aber mit offenen Augen sowie Ohren durch den Praxis-Alltag und stellen Sie Ihre Antennen auf Empfang. Läuten die inneren Alarmglocken, dann gehen Sie dem Gefühl nach
  8. Haben Sie hohe Ansprüche an sich selbst, aber keine überspitzten Erwartungen
  9. Bringen Sie in Erfahrung wie Situation x y üblicherweise vor Ort gehandhabt wird, sollten Sie einmal nicht weiter wissen
  10. Bleiben Sie sachlich, aber werden Sie kein “Roboter”
  11. Rückschläge gehören einfach dazu. Bleiben Sie dran, bleiben Sie offen für konstruktive Kritik, machen Sie sich Notizen, bauen Sie sich Eselsbrücken
  12. Nehmen Sie Beschwerden wahr und ggf. ernst aber nicht sofort persönlich
  13. Sie können nicht jedem helfen, jeden retten oder heilen – und das ist ok
  14. Bewahren Sie nach Möglichkeit stets Ihre Ruhe, das lässt sich sogar trainieren
  15. Dokumentieren Sie immer gut und lückenfrei; holen Sie im Zweifel Zeugen oder Rat ein
  16. Arztbriefe schreiben ist eine Wissenschaft für sich. Beherzigen Sie die Korrekturen Ihrer Vorgesetzten, arbeiten Sie mit bewährten Textbausteinen, entwickeln Sie Ihren Stil
  17. Schlüpfen Sie in Ihre private Kleidung, wenn Sie Überstunden machen, um an Arztbriefen zu feilen; damit machen Sie deutlich: Sie sind raus und gerade eigentlich nicht mehr auf Station aktiv
  18. Bereden Sie sich mit den anderen Assistenzärzten; helfen Sie sich gegenseitig, seien Sie sich gegenseitig eine Stütze
  19. Im Notfall gilt: nicht in Schockstarre verfallen, sondern Hilfe holen oder wenn möglich gleich selbst Hand anlegen: Herz-Lungen-Wiederbelebung. Sie kennen das Spiel: 30 x 5 bis 6 cm tief auf den Brustkorb drücken bei einer Arbeitsfrequenz von mind. 100 und max. 120/Minute, dann 2 x beatmen und ggf. nach 2 Minuten mit einem Kollegen abwechseln

Tipp:

> Einmal ganz abgesehen vom passenden Titel, ist der Song “Stayin’ Alive” (1977) von Bee Gees eine 1A Orientierungshilfe, wenn es um den richtigen Rhythmus der Wiederbelebungsmaßnahme geht. Davon haben Sie im Studium sicherlich schon einmal gehört. Falls nichts, hier eine kurze Impression: https://www.youtube.com/watch?v=BVGMUr8r2zk

 

Generell gilt natürlich: Achten Sie gut auf sich. Niemandem ist geholfen, wenn es Ihnen nicht gut geht.

Neben den bisher aufgelisteten Ratschlägen, sollte Sie vor allem diesen hier beherzigen: Achten Sie gut auf sich, auf Ihren Körper und Ihre Seele. Sie leisten täglich Großes und haben Ihre berufliche Laufbahn noch zu großen Teilen vor sich. Sie können niemandem helfen, wenn es Ihnen nicht gut geht. Packen Sie sich daher an erste Stelle, pflegen Sie Freundschaften und verbringen Sie Zeit mit der Familie. Planen Sie am Beginn eines Tages oder gar einer Woche Ihren Speiseplan: Was müssten Sie noch besorgen und was gibt es vor Ort? Oft muss es schnell gehen und mitunter fallen Mittagspausen ins Wasser. Haben Sie daher immer ein paar Snacks parat. Sie kennen sich selbst am besten. Wie viel Schlaf benötigen Sie? Sechs, sieben, acht, neun Stunden? Achten Sie darauf, dass Sie davon ausreichend bekommen. Vielleicht gibt es ja sogar interessante Kurse für die Angestellten? Auf diese Weise könnten Sie Ihrem Hobby nachgehen, etwas trainieren und gleichzeitig Ihr Team besser kennenlernen. – Um abschließend alle Mütter und Hausärzte dieser Welt zu zitieren: Stay hydrated, nicht vergessen genug zu trinken.

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Mit fortlaufenden Beiträgen werden wir Ihren komplexer werdenden Praxis-Alltag begleiten und freuen uns Sie auf diese Weise zu unterstützen. Reichen Sie jederzeit gerne Themenvorschläge ein, die Ihnen relevant erscheinen. Wir nehmen uns diesen dann gerne an. Hier gelangen Sie zu unserem Kontaktformular. Hat sich ein Fehler eingeschlichen oder eine genannte Regelung ist veraltet? Mehr sehen mehr. Schreiben Sie uns auch dann einfach an. Vielen Dank und bis zum nächsten Beitrag.

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